Dirk macht den Akkord kaputt

Dirk fotografiert. Und mit der selben Kamera filmt er auch. Videos in HD-Qualität. Er ist sein eigenes Script-Girl, sein Cutter, Produzent, Redakteur und Regisseur. Und das, was er produziert ist vorzeigbar. – Es geht aber auch anders: Hier in Gortis dreht ein französisches Fernsehteam eine Dokumentation, Teile, vielleicht nur Sekunden einer Dokumentation.

Im Mittelpunkt: nein, um Himmelswillen nicht die mehr als zweitausend Jahre alte historische Stätte, im Mittelpunkt ruht der Regisseur. Nicht mehr Anfang Sechzig, vollrund,  grauweiße Intellektuellenfrisur (soweit die angehende Glatze dafür noch Platz ließ) und natürlich Vollbart. Insgesamt vom Typ her Dionysios, na sie wissen schon, der griechische Gott für Wein, W… und den Rest will ich nicht unterstellen. An seiner Hand: Seine etwa dreißig Jahre jüngere Muse. Welche Funktion sie, außer Händchen halten, in dem Film noch besaß, erschloss sich auch aufmerksamen Betrachtern nicht.

In angemessenem Abstand, aber immer irgendwie drumherum, der Produzent. Marke Lacoste. Paris, o là là. Ganz der Charmeur, wenn es darum ging, Zuschauer aus dem Bild zu bitten. Seine Funktion: Wenn die Kamerafrau, ja die gibt’s auch noch, eine gute Location gefunden hatte, sie mit seiner Spiegelreflexkamera zu überprüfen und abzulichten. Soll ja was in den Programmzeitschriften zu sehen sein. (Doch wann kündigen Fernsehzeitschriften je Dokus über alte Römer an?).

Ja die Kamerafrau. Ihre Kamera wirkte größer als sie selbst, aber während sie sich damit abschleppte, trug Monsieur  le Producteur das Stativ. Ganz der Gentleman. Sie schien die einzige zu sein, die sich um Positionen, Standpunkte und Szenen Gedanken machte.

Keine falsche Vorstellung: Der Produzent war nicht der Handlanger. So einen Armen gab’s dann auch noch. Mit fünf minütigem Abstand schleppte er schnaufend die Filmutensilien – einen Riesen-Puschel, Batterien für die Kamera und den Rest hinterher.

Ach ja, dann war da noch… Aber was war sie eigentlich? Schwarze Schühchen, schwarze Leggins, schwarzer Mini, schwarzer Bolero, schwarze Haare. Dann und wann flatterte sie mal um das Team herum oder auch nicht. Was sie machte? Eigentlich nichts. Außer flattern. Nicht mal Kaffee holen. Vielleicht war sie das Scriptgirl? Die MiL (Muse-in-Lauerstellung)? Das ließ sich bis zum Schluss nicht klären.

Ach ja, da schaue ich mir doch lieber ein Video von Dirk an, anstatt auf das epochale Meisterwerk aus Frankreich zu warten. Da weiß man, was man hat.

Mehr über die ehemalige Weltstadt Gortis gibt s bald hier. Als Text. Sorry, kein Video und ohne sechsköpfiges Team

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